Ethisch produzierte Pornografie ist verantwortungsvoll, bedacht und fair produziert – und kann die weibliche Lust revolutionieren.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Wie findest du Pornos? Bringen sie dich zum Höhepunkt oder eher zum Ausrasten?
Wenn du dich beim Solosex lieber auf dein Kopfkino konzentrierst, bist du nicht allein. Denn im Durchschnitt schauen Frauen seltener Sexfilme als Männer. Auf Pornhub.com, zum Beispiel, waren 2023 nur 26% der deutschen User:Innen weiblich (Statista).
Der Grund ist ein Henne-und-Ei-Problem: Einerseits befriedigen Frauen sich seltener als Männer, andererseits gibt es weniger Pornografie, die sie dazu anregt. Denn die meisten Sexfilme werden für die Zielgruppe Mann produziert.
Sie zeigen weibliche Körper, die dem sexualisierten Schönheitsideal entsprechen, und Szenarien, in denen die Frau meistens eine untergeordnete Rolle spielt – und ihr Orgasmus erst recht. Wenn ältere Menschen, Transpersonen, People of Colour, oder Menschen mit Behinderung dargestellt werden, dann meistens als Fetisch.
Auch die Produktion ist problematisch: Häufig erhalten Darstellende keine gerechte Bezahlung und auf gängigen Websites kursieren Videos, die ohne Zustimmung gedreht und veröffentlicht wurden.
Für viele Frauen ist diese Art der Pornographie nicht ansprechend. Wo sind die romantischen Geschichten? Der einfühlsame Sex? Der Mann, der mal eine Pause braucht, oder dominiert werden will? Wo sind die Darstellerinnen, die so aussehen wie wir?
Nun ja, sie sind nicht auf Pornhub. Sondern auf Seiten, die ethischen Porno anbieten.
Ethisch produzierte Pornografie ist verantwortungsvoll, bedacht und fair produziert. In erster Linie heißt das, dass die Darstellenden mit der Produktion einverstanden waren, ihre Bedürfnisse berücksichtigt wurden und sie eine gerechte Bezahlung erhalten haben. Außerdem wird Sexualität auf eine gesunde Art und Weise dargestellt: Man sieht vielfältiges erotisches Interesse, alle möglichen Körperformen und echtes sexuelles Vergnügen (David Ley, Vice).
Aber keine Angst vor Langeweile: Diese Kriterien haben nicht unbedingt einen Einfluss auf die dargestellten Szenarien. Auch in ethischen Pornos gibt es allerhand zu sehen. Sie sollen ja schließlich erregend sein (Madita Oeming, Süddeutsche Zeitung Magazin).
Denn Selbstbefriedigung ist gesund, macht selbstbewusst und glücklich. Sich selbst kennenzulernen, kann außerdem Sex mit anderen verbessern. Aber mit ethischem Porno geht das ohne Scham oder Schmuddelfaktor.
Neugierig geworden? Im Internet gibt es einige Seiten, die ethischen Porno anbieten. Allerdings ist nicht alles ethisch, wo ethisch drauf steht. Zwar ist solch Porno selten kostenfrei, aber das reicht nicht als Gütekriterium. Dieses Problem löst die Initiative Porn Better aus Leipzig: Auf ihrer Website werden zahlreiche Pornoseiten vorgestellt, die nach strengen Kriterien ausgesucht wurden.